Vom Film zur Realität: Das letzte Segelschiff der Flying P-Liner lebt weiter
Rolf WendeVom Film zur Realität: Das letzte Segelschiff der Flying P-Liner lebt weiter
Der Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944 erzählte die Geschichte von Hannes Kröger, einem singenden Matrosen, der sich nach dem Meer sehnt. Gespielt von Hans Albers, spiegelten die Abenteuer der Figur eine reale Faszination für die Seefahrtsgeschichte wider – eine Leidenschaft, die später die Kindheit von Michael Krieg in Kiel prägte. Jahrzehnte später existiert eines der letzten großen Segelschiffe jener Epoche noch immer, wenn auch unter anderer Flagge und neuem Namen.
Im Film verliebt sich Hannes Kröger in eine junge Frau namens La Paloma, doch seine Liebe bleibt unerwidert. Mit gebrochenem Herzen heuert er auf der Padua an, dem letzten der prächtigen Hamburger Segelschiffe. Das Schiff, eine viermastige Bark, gehörte zur legendären Flotte der Flying P-Liner, die für die Reederei F. Laeisz gebaut worden war. Heute segelt es als Krusenstern, ein russisches Schulschiff – der einzige Überlebende seiner Art.
Michael Kriegs eigene Verbindung zur See begann in Kiel, wo er in der Nähe der inzwischen geschlossenen Howaldtswerke-Werft aufwuchs. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr beobachtete er, wie Schiffe im Kieler Fjord vom Stapel liefen und Marineeinheiten vor Anker gingen. In seiner Familie wurden häufig Platten von Hans Albers, dem "blonden Hans", gespielt, dessen Seemannslieder das Haus erfüllten. Albers' Rolle in Große Freiheit Nr. 7 hinterließ Spuren, ebenso wie Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay, ein Lied, das Krieg liebte.
Seine Kindheit war auch von der Musik der Hafenwelt durchdrungen. Im Kirchenchor sang Krieg neben einem bassstarken Sänger, der beim Lotsen-Gesangverein mitwirkte, einem seit 1929 bestehenden Chor der Hafenlotsen. Diese Einflüsse nährten eine lebenslange, fast träumereische Liebe zum Meer – mehr Sehnsucht als Wirklichkeit.
Die Padua segelt heute als Krusenstern weiter, doch ihr aktueller Aufenthaltsort bleibt ungewiss. Für Menschen wie Krieg halten das Schiff und Filme wie Große Freiheit Nr. 7 eine untergegangene maritime Welt lebendig. Die Geschichten von Seefahrern, Liedern und schroffen Masten hallen nach, lange nachdem die Schiffe selbst ihren Kurs geändert haben.






