Berlin ehrt Heinrich Zille: Eine Ausstellung zeigt seine vergessenen Meisterwerke und tabuisierten Seiten

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Ein Schwarz-Weiß-Zeichnung von Joseph von Frauenhofer, einem deutschen Komponist, auf einem Stück Papier mit etwas Text.Admin User

Berlin ehrt Heinrich Zille: Eine Ausstellung zeigt seine vergessenen Meisterwerke und tabuisierten Seiten

Eine neue Ausstellung in Berlin rückt das mutige und oft übersehene Werk Heinrich Zilles in den Fokus. Der Künstler, der vor allem für seine schonungslosen Darstellungen des Arbeiterlebens im Berlin des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts bekannt ist, bleibt eine faszinierende, doch zunehmend verblassende Figur im kollektiven Gedächtnis. Nun präsentiert das Zille-Museum im Nikolaiviertel die Schau "Heinrich Zille – Das Original: Verborgene Werke"*, die noch bis Juli zu sehen ist.

Zilles unbestechliche Zeichnungen legten die harte Realität der ärmsten Berliner Familien schonungslos offen. Seine scharfsinnigen Beobachtungen überbelegter Mietskasernen, kämpfender Arbeiter und sozialer Ungleichheit machten ihn zu einer prägenden Stimme seiner Zeit. Doch jenseits dieser gesellschaftskritischen Werke schuf er unter Pseudonym auch freizügige, teils pornografische Szenen – nicht zuletzt, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Das Zille-Museum selbst besitzt keine Originale des Künstlers. Stattdessen ist es vollständig auf Leihgaben – sowohl dauerhafte als auch temporäre – angewiesen, um seine Ausstellungsräume zu füllen. Einige von Zilles provokanteren Zeichnungen sind diskret in einer Ecke platziert, abseits des flüchtigen Blicks. Die aktuelle Schau zeigt nicht nur sein gesellschaftliches Engagement, sondern auch sein technisches Können und vermittelt den Besuchern so ein umfassenderes Bild seines Schaffens. Bei der Eröffnung würdigte Zilles Urenkel, Heinjörg Preetz-Zille, die Großzügigkeit privater Sammler, die Werke für die Ausstellung zur Verfügung stellten. Darunter ist Friede Springer, die Witwe des Medienmagnaten Axel Springer, die eine der größten Zille-Sammlungen besitzt. Der Kunsthistoriker Matthias Flügge zitierte zudem den Bildhauer Ernst Barlach, der Zilles künstlerisches Genie einst rühmte.

Doch die Zukunft des Museums ist ungewiss. Die Besucherzahlen schwanken, besonders da jüngere Generationen mit Zilles Erbe kaum noch vertraut sind. Der Fortbestand hängt von Eintrittsgeldern und Einnahmen aus dem Museumsladen ab – ein prekäres Modell mit wenig Spielraum für finanzielle Sicherheit.

Die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit, Zilles weniger bekannte Werke neben seinen berühmten Sozialstudien zu entdecken. Ohne eigene Dauerausstellung ist das Museum auf die fortgesetzte Unterstützung von Leihgebern und Besuchern angewiesen. Fürs Erste steht die Schau gleichermaßen als Hommage an Zilles Talent wie als Mahnmal für die Herausforderungen kleiner Kultureinrichtungen.

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