80 Jahre Nürnberger Prozesse: Wie ein Gerichtssaal die Welt veränderte

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Ein historisches Schild mit Symbolen und Text in der Mitte des Bildes.

80 Jahre zuvor: Die 'Hauptkriegsverbrecher' vor dem Internationalen Milit√rgerichtshof - 80 Jahre Nürnberger Prozesse: Wie ein Gerichtssaal die Welt veränderte

Vor achtzig Jahren erlebten die Welt die ersten Prozesse der Geschichte, in denen Politiker, Militärführer und NS-Funktionäre wegen Kriegsverbrechen vor Gericht standen. Die Verhandlungen, die von November 1945 bis Oktober 1946 in Nürnberg stattfanden, markierten einen Wendepunkt in der internationalen Rechtsprechung. Organisiert von einem Bündnis der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion, legten sie den Grundstein für spätere Kriegsverbrechertribunale.

Der Hauptprozess fand im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts statt, der extra erweitert worden war, um Hunderten von Beobachtern Platz zu bieten. Zu den Angeklagten zählten hochrangige Nationalsozialisten wie Hermann Göring, Rudolf Heß, Ernst Kaltenbrunner, Alfred Rosenberg und Julius Streicher. Filmaufnahmen amerikanischer und sowjetischer Teams dokumentierten das Grauen der befreiten Konzentrationslager – Bilder von solcher Erschütterung, dass viele im Gerichtssaal kaum hinsehen konnten.

Über 300 Journalisten und Fotoreporter berichteten über das Ereignis, untergebracht im Schloss Faber-Castell in Stein. Reporterinnen waren separat in einer Villa auf dem Parkgelände des Anwesens untergebracht. Täglich brachten sie Busse sechs Kilometer durch eine vom Krieg gezeichnete Trümmerlandschaft zum Gerichtsgebäude. Nach dem Hauptprozess folgten zwischen 1946 und 1949 zwölf weitere Verfahren, darunter der Ärzteprozess (Dezember 1946–August 1947), in dem NS-Ärzte angeklagt wurden, und der Juristenprozess (März–Dezember 1947), der sich gegen Richter und Juristen richtete, die in NS-Verbrechen verstrickt waren. Heute dient Saal 600 als Mahnmal und bewahrt das Erbe dieser historischen Ereignisse.

Zum 80. Jahrestag zeigen Sender wie ARD und ARTE Dokumentationen und Dokudramen, die die Prozesse aus verschiedenen Perspektiven aufarbeiten.

Die Nürnberger Prozesse schufen einen rechtlichen Rahmen für die Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Angriffskriegen. Saal 600 bleibt ein Symbol der Gerechtigkeit, doch die Aufrechterhaltung einer „Erinnerungskultur“ wird mit der Zeit immer schwieriger. Die Prozesse ebneten zudem den Weg für die spätere Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs und prägten die moderne juristische Verantwortung.

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