Theater-Marathons feiern triumphales Comeback auf dem Berliner Theatertreffen 2024
Rolf WendeTheater-Marathons feiern triumphales Comeback auf dem Berliner Theatertreffen 2024
Deutschlands Theaterszene erlebt ein Comeback ultra-langer Aufführungen
Das diesjährige Berliner Theatertreffen, das vom 1. bis 17. Mai stattfand, präsentierte mit "Wallenstein: Ein Schlachtenmahl in sieben Gängen" ein siebenstündiges Epos der Münchner Kammerspiele. Die Tickets für das Mammutstück und andere Festivalhighlights waren schnell ausverkauft.
Der Trend ist nicht neu: Seit Jahrzehnten setzen Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf opulente Inszenierungen, die das Durchhaltevermögen des Publikums und den künstlerischen Ehrgeiz auf die Probe stellen.
Das Theatertreffen 2024, eines der renommiertesten Theaterfestival Deutschlands, unterstrich erneut die Vorliebe für ausufernde Stücke. Jährlich werden die vielbeachteten Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen – diesmal brachten die Münchner Kammerspiele "Wallenstein", eine siebenstündige Adaption von Schillers Trilogie, aufgeteilt in thematische "Gänge" wie ein üppiges Menü.
Die Tradition des Marathon-Theaters reicht weit zurück: 2023 zeigte das Schauspielhaus Bochum eine siebenstündige Fassung der "Brüder Karamasow". Die Berliner Volksbühne wird bald "Peer Gynt" wiederbeleben, dessen erster Teil in einer früheren Inszenierung allein acht Stunden dauerte. Eines der extremsten Beispiele bleibt Luk Percevals "Schlachten", das 1999 beim Salzburger Festspiele ganze zwölf Stunden umspannte.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Aufführung 2007. Doch die Pandemie unterbrach den Trend vorübergehend: Während und nach den Lockdowns setzten Theater auf kürzere, pausenlose Stücke, um Risiken zu minimieren und Hygienevorgaben einzuhalten. Nun pendelt sich die Vorliebe für epische Erzählformen wieder ein.
Trotz der anhaltenden Beliebtheit dieser Produktionen erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Statistiken zu Spieldauern. Dadurch bleibt unklar, wie verbreitet – oder extrem – solche Marathon-Aufführungen im Laufe der Zeit geworden sind.
Das Theatertreffen 2024 bestätigte: Das deutschsprachige Publikum steht weiterhin auf Theater-Marathons. Mit "Wallenstein" als Ausverkaufs-Hit und der bevorstehenden "Peer Gynt"-Wiederaufnahme der Volksbühne zeigt sich, dass die Tradition nicht an Strahlkraft verliert. Der Erfolg des Festivals deutet darauf hin: Für viele Theaterbesucher gilt – je länger die Aufführung, desto intensiver das Erlebnis.






