23 April 2026, 14:45

«No Body Fits» feiert rauschende Premiere in Berlins Vaganten Bühne

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit kräftiger Schrift und detaillierten Elementen.

«No Body Fits» feiert rauschende Premiere in Berlins Vaganten Bühne

Ausverkauftes Haus bei der Premiere von No Body Fits in Berlins Vaganten Bühne

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In der Charlottenburger Vaganten Bühne versammelte sich ein ausverkauftes Publikum zur Premiere von No Body Fits, der Bühnenadaption von Kim de l'HORIZONs preisgekröntem Debütroman. Das Stück, gefeiert für seine mutige Erzählweise, verwandelt die rohen Themen des Buches – Geschlechtsfluidität, Scham und Selbstfindung – in ein packendes Theatererlebnis.

Die Inszenierung beginnt mit einer surrealen Modenschau, bei der die Schauspieler:innen in weißen Spitzenkleidern über den Laufsteg schreiten – eine visuelle Anspielung auf die Auseinandersetzung des Romans mit Identität und Verletzlichkeit. Über ihnen hängen zerrissene beige Strumpfhosen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln, die wie Geister der Vergangenheit hin- und herschwingen. Diese Elemente rahmen die Geschichte von Kim ein, einer Erzählerin, die von drei Performern verkörpert wird: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger.

Kims Reise beginnt mit der Demenz ihrer Großmutter, eine Krise, die sie zwingt, ihre Kindheit in einem Schweizer Vorort noch einmal aufzuarbeiten. Unter den Ästen eines Blutbuchenbaums – gepflanzt von ihrem Urgroßvater – findet sie flüchtige Geborgenheit. Doch das Stück gräbt tiefer und fördert transgenerationale Traumata zutage, die in der mütterlichen Linie der Familie vergraben liegen: erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen, zurückgelassene Kinder. Die Erzählung weicht diesen Schweigen nicht aus, sondern zerrt sie ins Licht.

Der Roman selbst schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Nun verstärkt die Bühnenfassung seinen Appell, die Kreisläufe geerbten Leidens zu durchbrechen – mit Bewegung, Symbolik und fragmentarischem Erzählstil, die Kims eigene Suche nach Ganzheit widerspiegeln.

Die Premiere markiert einen kühnen Schritt, de l'HORIZONs schonungslose Prosa auf die Bühne zu bringen. Mit der ausverkauften Erstaufführung beweist das Stück, dass es ein großes Bedürfnis nach Geschichten gibt, die Trauma ungeschönt konfrontieren. Die Produktion läuft weiter und lädt das Publikum ein, mitzuerleben, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt – und sie manchmal auch zerschlägt.

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