07 May 2026, 22:23

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Eine weiße Oberfläche mit einem Buch namens "Präsidiale Tapferkeit: Mutige Führer und wie sie Amerika veränderten 1789-1989" von Michael Beschloss und zwei Stiften.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Historiker Horst Möller positioniert sich zu historischen Vergleichen in aktuellen politischen Debatten

Der Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in heutigen politischen Diskussionen geäußert. Er warnt davor, zu schnell Parallelen zwischen vergangenen und gegenwärtigen Ereignissen zu ziehen, da dies das Verständnis verzerren könne. Seine Äußerungen erfolgen zu einer Zeit, in der Medien und öffentliche Persönlichkeiten weiterhin auf das nationalsozialistische Deutschland, die Weimarer Republik und andere historische Epochen in modernen Debatten verweisen.

Möller betont, dass Vergleiche erst gezogen werden sollten, wenn die Geschichte vollständig aufgearbeitet sei. Er unterstreicht, dass die Fokussierung auf einzelne Ereignisse – ohne Berücksichtigung langfristiger Auswirkungen – zu irreführenden Schlüssen führen könne. So weise er etwa darauf hin, dass die Weimarer Republik nicht die einzige Demokratie gewesen sei, die nach dem Ersten Weltkrieg gescheitert sei; auch Balkanstaaten seien in derselben Zeit in Diktaturen abgerutscht.

In der öffentlichen Diskussion sind historische Bezüge mittlerweile allgegenwärtig. Gegner der Corona-Maßnahmen wurden mit Sophie Scholl verglichen, während manche die deutsche Regierung mit dem SED-Regime der DDR gleichsetzen. Andere ziehen Parallelen zwischen Wladimir Putin und Adolf Hitler. Auch Medien greifen zu provokanten Bildsprachen – so zeigte das Magazin Stern auf einem Titelbild Donald Trump beim Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf". Der Spiegel inszenierte Trump ebenfalls in dramatischen Posen, etwa als Komet, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Möller räumt zwar gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Weimarer Republik und dem heutigen Deutschland ein – beide hätten Entwicklungs-krisen durchlebt, allerdings in völlig unterschiedlichen Dimensionen. Den Vorwurf, die AfD (Alternative für Deutschland) sei „faschistisch“, weist er jedoch zurück und verweist auf das Fehlen eines „Führerkults“ in der Partei. Sein größeres Anliegen ist, dass selektive, kontextlose Vergleiche die komplexe historische Realität vereinfachen und damit verfälschen könnten.

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Möllers Warnungen verdeutlichen die Probleme, die entstehen, wenn Geschichte als direkte Folie für aktuelle Ereignisse herangezogen wird. Er plädiert für einen sorgfältigeren Umgang mit historischen Vergleichen, bei dem zunächst der volle Kontext berücksichtigt wird. Ohne diese Grundlagen, so Möller, drohe die öffentliche Debatte weiterhin auf überzogenen oder unvollständigen Gegenüberstellungen zu beruhen.

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