Glasfaser überholt Kabel: Warum immer mehr Haushalte den Wechsel wagen
Rolf WendeGlasfaser überholt Kabel: Warum immer mehr Haushalte den Wechsel wagen
Deutschlands Internetlandschaft im Wandel: Immer mehr Haushalte steigen von Kabel auf Glasfaser um
Neue Studien, die auf der Buglas-Konferenz in München vorgestellt wurden, unterstreichen die wachsende Kluft zwischen den beiden Technologien. Mit höheren Geschwindigkeiten, besserer Stabilität und langfristiger Zuverlässigkeit setzt sich Glasfaser immer stärker durch – während Kabelanbieter mit sinkenden Kundenzahlen kämpfen.
Auf der Konferenz präsentierte Prof. Dr. Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg aktuelle Daten zum Vergleich von Glasfaser- und Kabelinternet. Seine Erkenntnisse zeigen: 76 Prozent der Nutzer verzeichneten deutlich schnellere Geschwindigkeiten nach dem Wechsel zu Glasfaser, während 66 Prozent eine verbesserte Verbindungsstabilität angaben. Kabelinternet ist zwar günstiger, hinkt aber bei Upload-Geschwindigkeiten und Latenzzeiten hinterher.
Auch die Preise spiegeln diesen Unterschied wider: Anbieter wie PYÜR bieten 1 Gbit/s im Download für rund 40 Euro pro Monat an, während Vodafones Kabelnetz dafür 49,99 Euro verlangt. Glasfasertarife beginnen dagegen bei 69,99 Euro (Vodafone), 70,95 Euro (Deutsche Telekom) und 89,99 Euro (Deutsche Glasfaser) für dieselbe Leistung.
Der Markt reagiert bereits auf diesen Wandel: 2025 nutzen noch etwa 14 Millionen deutsche Haushalte (40 Prozent der Breitbandkunden) Kabelinternet – ein Rückgang von 50 Prozent im Jahr 2020. Gleichzeitig stieg der Glasfaseranteil von 5 auf 23 Prozent, was 8 Millionen Haushalten entspricht. Selbst die beiden größten Kabelanbieter, Vodafone und PYÜR, bauen mittlerweile eigene Glasfasernetze auf, um Kunden von der veralteten Infrastruktur wegzuführen.
Trotz dieses Umbruchs erwähnt das anstehende Positionspapier des Bundesdigitalministeriums zum Ausbau von DSL auf Glasfaser Kabelnetze mit keinem Wort. Digitalminister Karsten Wildberger betont wiederholt, dass Glasfaser bis in die Wohnung (FTTH) die einzige wirklich zukunftssichere Lösung sei. Branchenanalysten prognostizieren, dass Kabelanbieter jährlich rund 100.000 Kunden an Glasfaser verlieren werden – und gezwungen sein könnten, die Preise zu senken, um Abwanderungen zu stoppen.
Die Entwicklung ist deutlich: Glasfaser wird zum Standard, während der Kabelanteil weiter schrumpft. Mit besserer Leistung, höherer Zuverlässigkeit und politischer Rückendeckung dürfte Glasfaser den deutschen Breitbandmarkt bald dominieren. Die Kabelanbieter stehen nun vor der Wahl: Entweder sie modernisieren ihre Netze – oder riskieren weitere Kundenverluste.






