Warum Franz Beckenbauer 2012 überraschend auf die UEFA-Präsidentschaft verzichtete
Rolf WendeWarum Franz Beckenbauer 2012 überraschend auf die UEFA-Präsidentschaft verzichtete
Franz Beckenbauer lehnte 2012 die Chance ab, UEFA-Präsident zu werden – trotz starker Unterstützung und idealer Voraussetzungen. Seine Entscheidung überraschte viele, galt er doch weithin als der perfekte Kandidat für das Amt. Stattdessen entschied er sich, sich auf seine Familie und seine bestehenden Verpflichtungen im Fußball zu konzentrieren.
Zu dieser Zeit genoss Beckenbauer die volle Rückendeckung einflussreicher Persönlichkeiten des europäischen Fußballs. Auch andere Namen wie Michel Platini waren im Gespräch, doch Beckenbauers Ruf als verbindender Führer machte ihn zum Favoriten. Sein Manager Marcus Höfl bezeichnete ihn später als außergewöhnliches politisches Talent im Sport, das in der Lage sei, unterschiedliche Interessen fair auszugleichen.
Beckenbauers Führungsstil war einzigartig. Selbst auf dem Höhepunkt seines Einflusses traf er lieber eigenständige Entscheidungen, statt sich von Erwartungen leiten zu lassen. Digitale Aufgaben mied er gänzlich – er nutzte nie eine E-Mail-Adresse – und übertrug Verantwortung oft an andere. Seine Ablehnung der UEFA-Präsidentschaft war letztlich eine persönliche Entscheidung: Er stellte sein Familienleben über die Anforderungen des Amtes.
Nach seinem Rückzug aus dem Rennen um die UEFA-Führung blieb Beckenbauer weiterhin im Fußballmanagement aktiv. Von 2016 bis 2020 amtierte er als Präsident des FC Bayern München, wechselte später in die Rolle des Ehrenpräsidenten und war bis 2020 Vizepräsident des DFB. Diese Positionen umfassten vor allem beratende und repräsentative Aufgaben und ermöglichten es ihm, bis zu seinem Tod am 7. Januar 2024 mit dem deutschen Fußball verbunden zu bleiben.
Beckenbauers Verzicht auf die UEFA-Präsidentschaft unterstrich, wie sehr ihm persönliche Werte wichtiger waren als beruflicher Ehrgeiz. Sein Vermächtnis in der Fußballverwaltung lebte durch seine langjährigen Ämter bei Bayern und dem DFB weiter – Positionen, die ihn mit dem Sport verbanden, ohne den zusätzlichen Druck einer europäischen Führungsrolle.






