Theater in Haft: Wie DNA in Wiesbaden Gefangene und Publikum bewegt
Volles Haus in der Wiesbadener Jugendstrafanstalt: Theaterstück DNA begeistert Publikum
Rund 80 Zuschauer füllten vergangene Woche die Wiesbadener Jugendstrafanstalt, um sich die neueste Theaterproduktion anzusehen. Das diesjährige Stück, DNA von Dennis Kelly, wurde von neun jungen Inhaftierten aufgeführt, unterstützt von zwei weiteren, die hinter den Kulissen mitwirkten. Die Vorstellung endete mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus.
Das Theaterprogramm der Anstalt, das seit 2013 besteht, nutzt die Bühnenarbeit als Mittel, um den Gefangenen soziale Verantwortung für die Zeit nach ihrer Entlassung zu vermitteln. Jede jährliche Produktion ist schnell ausverkauft, die Proben finden auf der hauseigenen Studiobühne statt – die einzige ihrer Art in einem deutschen Gefängnis.
Fast 20 Inhaftierte bewarben sich für Rollen in diesem Jahr, neun wurden als Schauspieler ausgewählt, zwei übernahmen technische Aufgaben. Einer von ihnen, B., schätzt die Verantwortung, zieht aber die Arbeit im Hintergrund dem Auftritt auf der Bühne vor. Ein weiterer Teilnehmer, J., beschrieb, wie das Theater sein Erleben im Gefängnis verändert: "Es lässt mich frei fühlen."
Regisseur Matze Vogel wählte DNA wegen der Auseinandersetzung mit Gruppendynamik unter Jugendlichen und der Frage, wie diese in Gewalt umschlagen kann. Die Themen des Stücks trafen sowohl bei den Darstellern als auch beim Publikum auf Resonanz. Die Kostümbildnerin Nathalie Meyer wirkt bereits seit zehn Jahren am Projekt mit und sorgt für Kontinuität in der künstlerischen Ausrichtung.
Anders als ähnliche Gefängnistheaterprojekte in Bayern oder Nordrhein-Westfalen verfügt die Wiesbadener Initiative über eine stabile Finanzierung. Das Hessische Justizministerium stellt jährlich rund 50.000 Euro aus dem Strafvollzugsetat bereit – ohne auf externe Fördergelder oder Spenden angewiesen zu sein. Diese finanzielle Sicherheit unterscheidet das Programm von Projekten wie Theater in Haft in Bayern, das auf wechselnde Mittel des Kulturministeriums angewiesen ist, oder Kunst hinter Gittern in NRW, das kommunale Gelder mit Privatspenden kombiniert.
Die Aufführung markierte einen weiteren Erfolg für das Theaterprogramm der Anstalt. Alle zehn Vorstellungen waren innerhalb weniger Tage ausverkauft – ein Zeichen für das große Interesse der Besucher. Für die beteiligten Inhaftierten bietet das Projekt eine strukturierte Möglichkeit, Fähigkeiten und Selbstvertrauen aufzubauen, während sie sich auf ein Leben nach der Haft vorbereiten.






