Streit um geplantes Abschiebezentrum am Münchner Flughafen entbrannt
Pläne für ein neues Abschiebezentrum am Münchner Flughafen haben eine Debatte unter Politikern und Hilfsorganisationen ausgelöst. Die von der Flughafen München GmbH (FMG) im Auftrag der Bundespolizei geplante Einrichtung soll die steigende Zahl von Abschiebungen aus Bayern bewältigen. Kritiker bemängeln jedoch die mangelnde Transparenz des Projekts und warnen vor möglichen negativen Folgen für die Migrationspolitik.
Laut Daten der Bundespolizei stehen in Deutschland derzeit rund 260.000 Menschen vor einer vollstreckbaren Abschiebeanordnung, davon etwa 33.000 allein in Bayern. Der CSU-Politiker Florian Herrmann verwies auf diese Zahlen, um die Notwendigkeit des Terminals zu unterstreichen. Unklar bleibt jedoch, wie viele Abschiebungen im Jahr 2023 tatsächlich durchgeführt wurden.
Johannes Becher, Abgeordneter der Grünen im bayerischen Landtag, kritisierte die fehlende Offenheit des Vorhabens. Zudem warnte er davor, dass München zu einem zentralen Abschiebeknotenpunkt werden könnte. Becher betonte, dass Abschiebungen nur bei verurteilten Straftätern gerechtfertigt seien – die Abschiebung gut integrierter Arbeitskräfte, insbesondere angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland, sei dagegen kontraproduktiv.
Stephan Griebel, Sprecher der Freiwilligen-Hilfenetzwerke in Freising, äußerte die Sorge, dass das Terminal zu einem Binnen-Sekundärmigrationszentrum werden könnte. Dies, so seine Befürchtung, könnte Menschen vollständig vom Asylverfahren ausschließen. Stattdessen forderte er den Ausbau freiwilliger Rückkehrprogramme als humanere Alternative.
Auch die finanziellen Belastungen des Terminals stehen in der Kritik. Die jährlichen Mietkosten sollen über vier Millionen Euro betragen. Benno Zierer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler (FW), hinterfragte, ob der erwartete Anstieg der Abschiebungen eine solche Ausgaben rechtfertigt.
Das geplante Abschiebezentrum am Münchner Flughafen bleibt umstritten. Während Befürworter auf die hohe Zahl vollstreckbarer Abschiebeanordnungen verweisen, heben Gegner die mangelnde Transparenz, die finanziellen Kosten und mögliche negative Auswirkungen auf die Migrationspolitik hervor. Die Diskussion dauert an, während Bayern über die nächsten Schritte entscheidet.






