Regensburg ehrt Widerstandskämpferin Elly Maldaque mit Schul-Umbenennung nach Jahrzehnten des Vergessens
Rolf WendeRegensburg ehrt Widerstandskämpferin Elly Maldaque mit Schul-Umbenennung nach Jahrzehnten des Vergessens
Regensburgs Von-der-Tann-Schule wird zu Ehren von Elly Maldaque umbenannt – fast ein Jahrhundert nach ihrem Tod. Die Entscheidung fällt nach Jahrzehnten gescheiterter Versuche, ihr Erbe anzuerkennen. Maldaque, eine Lehrerin, die in den 1930er-Jahren von rechtsextremen Kräften verfolgt wurde, gilt bis heute als Symbol des Widerstands gegen Autoritarismus.
Elly Maldaques Schicksal entwickelte sich in der Weimarer Republik zu einem großen Skandal. Über 90 Zeitungsartikel berichteten über ihren Fall, und mehr als 3.000 Menschen nahmen an ihrer Beerdigung teil. 1930 wurde sie von der Bayerischen Volkspartei (BVP), einer Vorläuferin der CSU, trotz öffentlicher Proteste entlassen – die Partei kooperierte damals mit der NSDAP. Später setzten die Nationalsozialisten sie unter Beobachtung, weil sie bei kommunistischen Versammlungen Klavier spielte und sich für deren Ideen interessierte.
Die Verfolgung gipfelte in ihrer zwangsweisen Einweisung in eine psychiatrische Anstalt. Maldaque starb unter ungeklärten Umständen; Historiker beschreiben ihre Behandlung als willkürliche Grausamkeit eines autoritären Staates. Das 2013 erschienene Buch "Der Fall Maldaque" dokumentiert, wie sie systematisch von politischen Kräften zerstört wurde.
Frühere Initiativen zu ihrer Ehrung scheiterten 1985, 1992, 1994 und 2015. Diesmal jedoch erhält der Vorschlag starke Unterstützung aus der Schulgemeinschaft – von Lehrkräften, Eltern und Schüler:innen alike. Der Bildungsausschuss wird die Umbenennung am 16. Oktober beraten, mit dem Ziel, demokratische Werte zu stärken, indem Maldaque als Opfer antidemokratischer Unterdrückung gewürdigt wird.
Die Umbenennung der Von-der-Tann-Schule bedeutet eine längst überfällige Anerkennung von Elly Maldaques Leid und Widerstand. Gleichzeitig ist sie eine öffentliche Absage an die Kräfte, die sie einst zum Schweigen brachten. Die endgültige Entscheidung fällt nach der Ausschusssitzung im nächsten Monat.






