Kleist-Festival 2025 verbindet Barockdramen mit Punk, Politik und Schule
Freia MansKleist-Festival 2025 verbindet Barockdramen mit Punk, Politik und Schule
Das Kleist-Festival 2025 findet vom 7. bis 12. Oktober in Frankfurt (Oder) statt. In diesem Jahr steht das Leben und Werk Heinrich von Kleists im Mittelpunkt, der 1777 in der Stadt geboren wurde. Das Festival verbindet moderne Themen mit seinen Schriften und vereint Musik, Theater und aktuelle Diskurse.
Die Veranstalter haben ein vielseitiges Programm aus Aufführungen, Ausstellungen und Gesprächen zusammengestellt. Zu den Höhepunkten zählt eine Punk-Oper, die Die Familie Schroffenstein neu interpretiert, sowie eine frische Inszenierung von Der zerbrochene Krug – ein Klassiker im deutschen Schulunterricht. Zudem wird ein neues Stück von Theresia Walser uraufgeführt, das die Radikalisierung einer Schule unter einer rechtsextremen Regierung thematisiert.
Ziel des Festivals ist es, Kleists Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit heutigen Herausforderungen zu verknüpfen. Klimawandel, politischer Extremismus und soziale Konflikte stehen im Fokus der Debatten und Inszenierungen. Walsers Stück etwa zieht direkte Parallelen zwischen historischen Motiven in Kleists Texten und aktuellen Diskussionen über Radikalisierung.
In diesem Jahr rückt besonders die Musik in den Vordergrund, die Kleists eigenes Schaffen geprägt hat. Die Punk-Oper Schroffenstein: In Grund und Boden kombiniert klassische Arien, Punk-Hymnen und gesprochene Szenen. Daneben unterstreichen ein Chorauftritt und literarische Lesungen das Zusammenspiel von Klang und Text in seinen Dramen.
Neben zeitgenössischen Adaptionen zeigt das Festival Der zerbrochene Krug, eine Komödie, die an deutschen Schulen häufig behandelt wird. Ihre Aufnahme im Programm betont Kleists anhaltende Bedeutung für den Unterricht, insbesondere in Leistungskursen Literatur. Die Themen Gerechtigkeit und Heuchelei des Stücks sind bis heute aktuell.
Gleichzeitig blickt die Veranstaltung voraus auf das Jahr 2027, wenn Frankfurt (Oder) Kleists 250. Geburtstag mit einem eigenen Kleist-Jahr begehen wird. In den vergangenen Jahrzehnten erlebten seine Werke eine Renaissance auf der Bühne, etwa durch Thomas Ostermeiers Penthesilea (2005 an der Berliner Schaubühne) oder Leander Haußmanns Das Käthchen von Heilbronn (2010 am Berliner Ensemble). Diese Inszenierungen deuten Kleists Auseinandersetzung mit Gewalt und Geschlechterrollen oft aus heutiger Perspektive neu.
Das sechs Tage dauernde Festival 2025 bietet traditionelle und experimentelle Formate – von punkdurchdrungenen Opern bis zu politisch brisantem Theater. Das Programm spiegle, so die Veranstalter, die Komplexität unserer Welt wider. Indem es Kleists Erbe mit drängenden Gegenwartsfragen verbindet, will das Festival sowohl langjährige Verehrer als auch neue Zuschauer ansprechen.






