Kempten diskutiert heiß über MVV-Beitritt: Einheitsticket oder Kontrollverlust?
Rolf WendeKempten diskutiert heiß über MVV-Beitritt: Einheitsticket oder Kontrollverlust?
Der Stadtrat von Kempten rückt dem Beitritt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) näher. Die Debatte hat an Fahrt aufgenommen, da die Verantwortlichen die Vorteile eines einheitlichen Ticketsystems gegen Bedenken hinsichtlich Kosten und Kontrolle abwägen. Eine wichtige Frist für die Bewilligung von Landesmitteln Ende des Jahres setzt die Diskussionen zusätzlich unter Zeitdruck.
Im Mittelpunkt stand das Thema bei einer jüngsten Ratssitzung. Dr. Richard Schießl, der Wirtschaftsreferent der Stadt, stellte mehrere Integrationsoptionen vor, darunter ein 365-Euro-Jahresticket für Studierende und Auszubildende. Er argumentierte, dass ein Beitritt zum MVV Reisen in der gesamten Region – von Oberstdorf bis München – deutlich vereinfachen würde.
Stellvertretender Bürgermeister Klaus Knoll (FW-ÜP) unterstützte die Idee eines einheitlichen Tickets, hinterfragte jedoch, wie bestehende Semestertickets und Jobtickets in das neue System eingebunden werden könnten. Die unabhängige Stadträtin Tatjana Preuß warnte, dass ein Beitritt zum MVV mit einem Verlust der lokalen Kontrolle über Tarifgestaltung und Verkehrsentscheidungen einhergehen könnte.
Helmut Berchtold (CSU), ein lokaler Busunternehmer, zweifelte daran, ob die Stadt bis zur Dezember-Frist ausreichend Informationen für eine fundierte Entscheidung sammeln könne. Thomas Hartmann (Grüne) entgegnete, der Fokus solle auf dem Aufbau eines zuverlässigen und barrierefreien Verkehrsnetzes liegen – und nicht allein auf Kosteneinsparungen.
Oberbürgermeister Thomas Kiechle kündigte an, das Verkehrsministerium zu kontaktieren, um den Zeitplan des Projekts zu klären. Der Rat stimmte grundsätzlich zu, die Bedingungen für einen MVV-Beitritt bis Ende 2024 zu prüfen – dann laufen die Landeszuschüsse für die Umstellung aus.
Der Stadtrat steht nun vor einem engen Zeitplan, um die Folgen eines Beitritts zum MVV zu bewerten. Bei einer Zustimmung würde dies zwar den Regionalverkehr vereinfachen, könnte aber auch Tarifanpassungen und eine geringere lokale Steuerung mit sich bringen. Die endgültige Entscheidung hängt davon ab, ob die Stadt bis Jahresende klare Antworten – und die notwendigen Mittel – sichern kann.






