13 March 2026, 16:53

Jesidischer Flüchtling in Bayern muss zwischen Ausbildung und Familie wählen

Ein Plakat mit Text über flüchtlingsfreie Gebühren für Coursera-Kurse, mit mehreren Personen im Hintergrund, einige tragen Taschen.

Jesidischer Flüchtling in Bayern muss zwischen Ausbildung und Familie wählen

Ein 17-jähriger jesidischer Flüchtling in Bayern steht vor einer unmöglichen Entscheidung: seine Ausbildung zum Fahrradmechatroniker fortsetzen oder bei seinen Eltern bleiben. Die Ausländerbehörde hat Matin P. ein Angebot unterbreitet – eines, das Kritiker als "Erpressung" bezeichnen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das anhaltende Leid gut integrierter Minderjähriger, denen trotz ihres Beitrags zur deutschen Gesellschaft die Abschiebung droht.

Die Familie P. floh 2020 nach Deutschland, nachdem sie den Völkermord des IS an den Jesiden im Jahr 2014 überlebt hatte. Sie glaubten, Sicherheit gefunden zu haben, doch nun steht ihnen die Trennung bevor. Matin, der derzeit in einem Mangelberuf ausgebildet wird, erhielt die Zusicherung, seine Lehre abschließen zu dürfen – unter der Bedingung, dass seine Eltern Deutschland freiwillig verlassen.

Die bayerischen Behörden bleiben bei ihrer Entscheidung und treiben die Pläne voran, Matin und seine Eltern abzuschieben. Dadurch würde die Familie von ihren fünf erwachsenen Kindern getrennt, die bereits in Deutschland leben. Der Bayerische Flüchtlingsrat verurteilte das Vorgehen der Behörden als Form der Nötigung.

Matins Ausbildung zum Fahrradmechatroniker – ein Beruf, der während der COVID-19-Pandemie als systemrelevant eingestuft wurde – sollte eigentlich bis August andauern. Doch das Ultimatum zwingt ihn nun, sich zwischen seiner Karriere und seiner Familie zu entscheiden. Unterdessen laufen politische Initiativen, um jesidische Flüchtlinge zu unterstützen. Die Grünen und die Linke haben im Bundestag Gesetzentwürfe eingebracht, die Aufenthaltsrechte für Jesiden sichern sollen, und berufen sich dabei auf einen BAMF-Bericht über die harten Lebensbedingungen im Irak.

Unklar ist, wie viele weitere jesidische Familien in Bayern in einer ähnlichen Situation stecken, da bis März 2026 keine konkreten Zahlen vorliegen.

Der Fall Matin P. rückt die Abschiebepraxis Deutschlands bei gut integrierten Minderjährigen in den Fokus. Seine Ausbildung in einem dringend benötigten Handwerk und die Verfolgungsgeschichte der Familie unterstreichen die Forderungen nach einer Überprüfung ihres Status. Ohne weiteres Eingreifen könnte die Familie P. auseinandergerissen werden – während Matins Zukunft in der Schwebe hängt.

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