Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg – zwei Legenden der deutschen Medienwelt sterben
Rolf WendeFranz Josef Wagner und Alfred Hilsberg – zwei Legenden der deutschen Medienwelt sterben
Franz Josef Wagner, langjähriger Kolumnist der Bild, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Bekannt für seinen scharfen Witz und seinen ungeschönten Stil, verstarb er am 7. Oktober und hinterlässt eine Karriere, die sich über Jahrzehnte in den deutschen Medien erstreckte. Seine letzte Kolumne, veröffentlicht im September 2022, richtete er an Carlo Acutis, einen erst kürzlich heiliggesprochenen Jugendlichen.
Ebenfalls verstorben ist Alfred Hilsberg, eine prägende Figur der Hamburger Underground-Szene, der kürzlich mit 77 Jahren starb. Die beiden Männer, obwohl aus völlig unterschiedlichen Welten, verband eine ungewöhnliche Verbindung zur Bild – der eine als Autor, der andere als unerwarteter Fürsprecher ihres Einflusses.
Franz Josef Wagner wurde 1943 im heutigen Tschechien geboren, wuchs in Regensburg auf, sang im Domspatzen-Chor und fiel später durchs Abitur. Statt eine akademische Laufbahn einzuschlagen, wandte er sich dem Journalismus zu und stieg 1966 bei Axel Springer ein. Im Laufe der Jahre arbeitete er sich in der Redaktion nach oben, galt jedoch oft als zu direkt für Führungspositionen.
Trotzdem wurde er zu einem der bekanntesten Kolumnisten Deutschlands. Von 2001 bis 2022 verfasste er kurze, briefartige Texte, die sich an Politiker, Sportler oder sogar abstrakte Begriffe wie Jahreszeiten oder Körperteile richteten. Seine Arbeiten verbanden Humor und Melancholie und ernteten sowohl Gelächter als auch Kritik.
Wagner arbeitete zudem als Ghostwriter für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Seine Beziehung zur Bild war symbiotisch: Seine Kolumnen hielten die Leser bei der Stange, während die Zeitung ihm eine Plattform für seine unverwechselbare Stimme bot.
Alfred Hilsberg, ein Hamburger Underground-Impresario, nahm indes eine überraschende Haltung zur Bild ein. Statt Bier oder Haschisch bezeichnete er das regelmäßige Lesen des Boulevardblatts als "bewusstseinserweiternde Droge". Sein Tod mit 77 Jahren markiert das Ende einer Ära für die alternative Kulturszene Hamburgs.
Wagners Tod schließt ein Kapitel des deutschen Journalismus ab und hinterlässt ein Erbe provokanter, doch persönlicher Texte. Seine letzte Kolumne, an einen jungen Heiligen gerichtet, zeigte einmal mehr seine Fähigkeit, Unerwartetes mit tief Menschlichem zu verbinden. Auch Hilsbergs Ableben nimmt Hamburg eine einzigartige Stimme – einen Mann, der trotz avantgardistischem Hintergrund ausgerechnet in jenem Blatt einen Wert erkannte, das Wagner mitprägte.