Europas Kampf um digitale Souveränität spaltet die USA und löst Tech-Debatte aus
Verena GuteEuropas Kampf um digitale Souveränität spaltet die USA und löst Tech-Debatte aus
Die Spannungen um die technologische Abhängigkeit zwischen Europa und den USA nehmen zu. Zwar sind sich beide Seiten einig, dass die Abhängigkeit von chinesischer Technologie verringert werden muss, doch es gibt Streit darüber, ob europäische Unternehmen sich auch von amerikanischen Anbietern distanzieren sollten. Die Europäische Union hat nun neue Richtlinien auf den Weg gebracht, um den eigenen Technologiesektor zu stärken – und löst damit eine Debatte über Sicherheitsrisiken und wirtschaftliche Folgen aus.
Im Zentrum des Konflikts steht Europas Streben nach "technologischer Souveränität" – ein Plan, der die Abkehr von ausländischen Zulieferern in kritischen Bereichen wie Cloud-Computing, künstlicher Intelligenz (KI) und Halbleitern vorsieht. US-Beamte argumentieren jedoch, dass sich Europa auf China konzentrieren sollte und nicht auf amerikanische Unternehmen.
Anfang Januar 2026 startete die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation zu einer Open-Source-Strategie, um die Abhängigkeit von nicht-europäischen Tech-Riesen zu verringern. Dieser Schritt ist Teil einer umfassenderen Initiative im Rahmen des Gesetzes zur Entwicklung von Cloud und KI (CAIDA), das den Aufbau einer souveränen Cloud-Infrastruktur und vertrauenswürdiger KI-Systeme zum Ziel hat. Am 20. Januar schlug die Kommission zudem Änderungen am Cybersicherheitsgesetz 2.0 vor, darunter ein Verbot von Hochrisiko-Telekommunikationskomponenten aus Drittstaaten. Unternehmen hätten 36 Monate Zeit, diese zu ersetzen.
Die USA reagierten mit dem Appell, Europa solle stattdessen die Beziehungen zu China abbauen. Sean Cairncross, der nationale Cyberdirektor der USA, betonte, dass amerikanische Technologie weitaus weniger Risiken berge als chinesische Alternativen, da US-Unternehmen keine persönlichen Daten an die Regierung weitergeben würden. Er warnte, dass Europas Abkehr von US-Anbietern die transatlantische Sicherheitszusammenarbeit schwächen könnte.
Europäische Vertreter bleiben jedoch entschlossen, externe Abhängigkeiten zu reduzieren. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) testet bereits souveräne Cloud-Dienste – darunter auch solche von AWS und Google –, um die nationale Cloud-Strategie zu gestalten. Kritiker warnen jedoch, dass eine Bevorzugung europäischer Technologie allein aus Souveränitätsgründen zu schwächerer Cybersicherheit führen und die Region anfälliger für Angriffe machen könnte.
Die öffentliche Meinung scheint Europas Haltung zu stützen. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 57 Prozent der Kanadier und die Hälfte der Deutschen die USA als unzuverlässigen Verbündeten betrachten. Diese Stimmung stärkt den Willen der EU, eigene Technologiekompetenzen – insbesondere in den Bereichen KI, Quantencomputing und Halbleiter – auszubauen. Das für diesen Frühling erwartete "Technologie-Souveränitäts"-Paket der Kommission wird weitere Schritte zur Förderung heimischer Innovationen in diesen Bereichen skizzieren.
Die neuen EU-Richtlinien werden Telekommunikationsanbieter zwingen, Hochrisiko-Komponenten aus dem Ausland innerhalb von drei Jahren schrittweise abzuschaffen. Nationale Behörden wie das BSI prüfen bereits Alternativen zu US-Cloud-Diensten. Gleichzeitig deuten die öffentliche Konsultation zu Open-Source-Strategien und die geplanten Änderungen am Cybersicherheitsgesetz 2.0 auf einen langfristigen Wandel hin zu größerer technologischer Eigenständigkeit Europas hin.
Ob es Europa gelingt, Souveränität und Sicherheit in Einklang zu bringen – oder ob die Verringerung der Abhängigkeit von US-Technologie neue Schwachstellen schafft –, wird sich an den Ergebnissen dieser Maßnahmen zeigen.
EU softens digital rules amid US pressure
The EU has announced plans to revise its data protection rules and delay parts of its AI legislation in response to US pressure. Key changes include:
- Adjusting data protection to ease business compliance
- Postponing AI law sections to address US concerns
- Maintaining core sovereignty goals despite compromises





