25 April 2026, 10:26

Europas Arzneimittelkrise: Hitze-Debatte über Bevorratung und Abhängigkeiten

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal mehr für dieselben Medikamente berechnet hat als andere Länder, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Europas Arzneimittelkrise: Hitze-Debatte über Bevorratung und Abhängigkeiten

Heftige Debatte auf Handelsblatt-Jahrestagung: Europas Arzneimittelversorgung in der Krise

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Auf der Jahreskonferenz des Handelsblatts entbrannte eine hitzige Diskussion über die Widerstandsfähigkeit der Arzneimittelversorgung in Europa. Vertreter der Pharmaindustrie und Krankenkassen gerieten über die Themen Bevorratung, Handelsabkommen und die Abhängigkeit von ausländischer Produktion aneinander. Die Debatte offenbarten tiefe Gräben darüber, wie die zukünftige Versorgung mit Medikamenten gesichert werden soll.

Den Auftakt machte Dr. Kai Joachimsen, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), der die Logik einer Bevorratung bei Generika infrage stellte. Er warnte, dass Europas Verwundbarkeiten weit größer seien als allgemein anerkannt, und betonte, dass Investitionen in Forschung und Produktion unverzichtbar seien. Unterstützung erhielt er von Thomas Weigold, Deutschland-Chef von Sandoz/Hexal, der das geplante Freihandelsabkommen mit Indien als "absurd" bezeichnete. Ein solches Abkommen würde die Resilienz Europas bei Generika weiter schwächen, so Weigold.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, wies die von der Regierung gesetzte Zielmarke einer sechsmonatigen Bevorratung als unzureichend zurück. Er forderte klarere Planungsszenarien und warnte davor, die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten als selbstverständlich anzusehen. Inanc bestand darauf, dass nur eine Stärkung der europäischen Produktion die Abhängigkeit von globalen Transportrouten verringern könne.

Eine gegensätzliche Position vertrat Tim Steimle, Pharmareferatsleiter bei der Techniker Krankenkasse (TK). Er bestätigte, dass das Ziel einer sechsmonatigen Bevorratung erreicht worden sei, und lobte den Wechsel von Rabattverträgen zu Versorgungsvereinbarungen – wenn auch mit der Einschränkung, dass Kinderarzneimittel nach wie vor eine Ausnahme darstellten. Steimle sprach sich zudem für das Handelsabkommen mit Indien aus, da es die Versorgungsengpässe entschärfen könne.

Weigold konterte, dass bloße Gespräche Europas starke Abhängigkeit von China bei Antibiotika und Generika nicht lösen würden. Ohne konkrete Maßnahmen bleibe die Arzneimittelsicherheit des Kontinents gefährdet, so seine Warnung.

Die Konferenz endete ohne Einigung und hinterließ eine gespaltene Branche: Während die Krankenkassen die Sorgen als übertrieben abtaten, forderten die Hersteller dringende Investitionen, um die ausländische Abhängigkeit zu verringern. Die Debatte zeigte einmal mehr die Kluft zwischen kurzfristigen Bevorratungszielen und dem langfristigen Bedarf an eigener Produktionskapazität.

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